Atari Portfolio / DIP Pocket PC 

Die Firma DIP Research Limited, eine Tochter der Distributed Information Processing Limited, brachte im Jahr 1989 mit dem DIP Pocket PC einen IBM-Kompatiblen Taschencomputer auf den Markt, der heute als erster Palmtop-Computer angesehen wird. Bereits kurz nach der Veröffentlichung erhält die Atari Corporation eine Exklusivlizenz zum Vertrieb des Taschencomputers unter ihrer Marke in den USA, Großbritannien, Westdeutschland mit West-Berlin (bzw. ab 1990 ganz Deutschland), Italien und Spanien. Auf den Messen des Jahres 1989 wurde er schon kurz danach als Atari Folio, Atari PC Folio und schließlich Atari Portfolio vorgestellt. Erste Modelle gelangten bereits im Juni 1989 in den Handel, weltweit verfügbar war der Computer jedoch erst ab Januar 1990. Der Neupreis lag in Deutschland anfangs bei 798 DM.

Atari Portfolio mit DVD-Hülle zum Vergleich
Atari Portfolio, hier im Größenvergleich mit einer DVD-Hülle


Über Distributed Information Processing, Ltd.
Die Firma mit dem Kürzel DIP wurde 1985 von Ian Cullimore unter dem Namen Crushproof Software gegründet und hatte ihren Sitz in Guildford in der englischen Grafschaft Surrey nahe London. Weitere Mitarbeiter der Firma waren David Frodsham und Peter Baldwin, weswegen DIP auch gerne mal als Kürzel für David, Ian and Peter gehalten wurde. Vor dem Pocket PC arbeitete die Firma unter anderem am Psion Organiser und anderen Taschenorganisern mit, später entwickelte sie den Sharp PC-3000 bzw. PC-3100, der als technologischer Nachfolger des Portfolio gilt. 1994 wurde DIP von der kalifornischen Softwareschmiede Phoenix Technologies aufgekauft.


Hardware
Als Hauptprozessor kommt der Intel 80C88 mit einer Taktfrequenz von 4,9152 MHz zum Einsatz. Der Computer besitzt bis zum Modell HPC-010 128 kB Arbeitsspeicher, der in zwei Teile aufgeteilt wird – 96 kB bilden den eigentlichen Arbeitsspeicher, die übrigen 32 kB das interne Laufwerk C:. Das Modell HPC-011 verfügt über 512 kB internen Arbeitsspeicher. Im 256 kB großen Festspeicher sitzen Betriebssystem und die fest installierte Software. Als Betriebssystem kommt hier das mit MS-DOS 2.11 kompatible DIP Operating System 2.11 zum Einsatz. Der monochrome Flüssigkristall-Bildschirm bietet eine Auflösung von 240×64 Pixel bzw. 40×8 Zeichen. Der Portfolio besitzt eine zwar kleine, aber mit einem ausgezeichneten Druckpunkt versehene Tastatur mit 63 Tasten. Mittels der Atari-Taste und der Fn-Taste lassen sich diverse doppelt belegte Tasten aktivieren. Die Stromversorgung erfolgt über drei 1,5-Volt-Batterien im Format AA oder über ein separat erhältliches Netzteil.

Auf der linken Seite des Gerätes befindet sich der Kartenschacht (Laufwerk A:), der eine Speicherkarte im sogenannten Bee-Format aufnehmen kann. Atari bot diese Karten in den Größen 32 kB, 64 kB und 128 kB an, von Drittanbietern gibt es Karten bis zu 4 MB. Die Speicherkarten werden durch eine Knopfzelle (bei Atari Typ CR2016) gepuffert, die bis zu zwei Jahre halten soll.

Atari Memory Card 64 Kilobytes
Atari Memory Card im Größenvergleich mit einer SD-Karte


Peripherie
Unter einer Abdeckung auf der rechten Geräteseite befindet sich der 60-polige Erweiterungsanschluss des Portfolio, der verschiedene Hardwaremodule aufnehmen kann. Von Atari gibt es hier das Smart Parallel Interface (HPC-101), das Serial Interface (HPC-102) und den Memory Expander+ (HPC-104), der den Portfolio mit weiteren 256 kB Arbeitsspeicher sowie einem weiteren Kartenlaufwerk (Laufwerk B:) ausstattet, außerdem ist der Erweiterungsanschluss durchgeschleift, so dass ein weites Hardwaremodul angeschlossen werden kann. Eine reine Speichererweiterung unter dem Namen Memory Expansion (HPC-103) wurde zwar beworben, erschien wohl jedoch nicht auf dem Markt.

Atari Smart Parallel Interface Atari Serial Interface Atari Memory Expander+
Atari Smart Parallel Interface HPC-101 Atari Serial Interface HPC-102 Atari Memory Expander+ HPC-104

Auf der Desktop-Seite wurde von Atari ein Kartenlesegerät (PC Card Drive, Modell HPC301) samt 8-Bit-ISA-Steckkarte und Treibersoftware angeboten, was den Datenaustausch zwischen Portfolio und PC erheblich erleichtert.

Atari PC Card Drive
Atari HPC301 PC Card Drive mit Steckkarte und Speicherkarte

Software
Die für einen Computer dieser Sparte wichtige Software wurde dem Portfolio bereits fest eingebaut. Er enthält einen Texteditor, eine mit Lotus 1-2-3 kompatible Tabellenkalkulation, einen Kalender, einen Taschenrechner und eine Adressverwaltung. Weitere Softwaretitel gibt es dank der Beliebtheit des Minicomputers zahlreiche auf dem Markt. Die meisten textbasierten MS-DOS-Anwendungen laufen ebenfalls auf dem Portfolio, solange sie nicht die Hardware selbst ansprechen und sich mit dem für DOS-Programme kleinen Arbeitsspeicher begnügen. Die Adressverwaltung bietet eine Telefonwahlfunktion – wählt man eine Nummer aus und hält den Lautsprecher des Computers an die Sprechmuschel eines Telefons mit Mehrfrequenzwahlverfahren, spielt der Portfolio die Nummer in den MFV-Tönen ab und das Telefon erhält so den Impuls, die Nummer zu wählen.


Trivia
Der Taschencomputer spielt eine wichtige Rolle in James Camerons Spielfilm Terminator 2 – Tag der Abrechnung (Originaltitel: Terminator 2 – Judgment Day) von 1991. Der junge John Connor, gespielt vom damals dreizehnjährigen Edward Furlong, nutzt den Portfolio samt Parallelschnittstelle und daran angeschlossener Magnetstreifenkarte, um den Geldautomaten zu überlisten. Später im Film kommt diese Technik nochmals zum Einsatz, als es darum geht, bei Cyberdyne Systems einen blockierten Sicherheitszugang zu knacken, um an die Überreste des ersten Terminators zu gelangen.

John Connor mit dem Portfolio
Szene aus dem Film Terminator 2: Tag der Abrechnung
All Rights © TriStar Pictures, Inc.


Übersicht der Modellnummern
Computer
HPC-003 (BIOS 1.052)
HPC-004 (BIOS 1.056)
HPC-005 (BIOS 1.130)
HPC-006 (BIOS 1.072)
HPC-007 (BIOS 1.130)
HPC-008 (BIOS 1.130)
HPC-009 (BIOS 1.130)
HPC-010 (BIOS 1.130)
HPC-011 (BIOS 1.130, 512 kB Arbeitsspeicher)

Zubehörteile
HPC-101 Smart Parallel Interface
HPC-102 Serial Interface
HPC-103 Memory Expansion (nicht erschienen)
HPC-104 Memory Expander+
HPC-201 Speicherkarte 32 kB
HPC-202 Speicherkarte 64 kB
HPC-203 Speicherkarte 128 kB
HPC-204 OTPROM-Karte 512 kBit
HPC-205 OTPROM-Karte 1 MBit
HPC-301 PC Card Drive
HPC-401 Netzteil 110 Volt
HPC-402 Netzteil 220 Volt
HPC-406 Paralleles Datenkabel
HPC-407 Serielles Kabel zur Verbindumg mit einem Apple Macintosh
HPC-408 Paralleles Druckerkabel
HPC-409 Serielles Null-Modem-Kabel
HPC-501 OTPROM-Adapter für EPROM-Brenner 512 kBit
HPC-502 OTPROM-Adapter für EPROM-Brenner 1 MBit
HPC-803 Portfolio System Case (Kunstlederetui 30×12×6 cm)

ROM-Karten
HPC-701 Utility Card
HPC-702 Finance Card
HPC-703 Science Card
HPC-704 File Manager
HPC-705 Power BASIC
HPC-709 Instant Spell
HPC-711 US Traveller's Guide
HPC-713 Hyperlist
HPC-715 Language Translator
HPC-724 Bridge Baron
HPC-725 Wine Companion
HPC-726 Diet / Cholesterol Counter
HPC-728 Astrologer
HPC-729 Stock Tracker
HPC-750 Chess
Letzte Seitenbearbeitung: 10. März 2019